Neben, auf und mit dem Pferd – nicht nur Wandern oder Fahrradfahren


Fotos: ©Stephanie Kreuzer

Im mittleren Fuldatal gibt es viele Möglichkeiten, aktiv zu sein und etwas Neues zu lernen
Die meisten Tourenradler werden ihn kennen und lieben – den Fulda-Radweg oder Hessischer Radfernweg R1. Auf seinen rund 260 Kilometern wartet nicht nur Deutschlands einzige Fahrradseilbahn, sondern man passiert unter anderem auch Rotenburg an der Fulda. Als „das Kleinod im mittleren Fuldatal“ wird das idyllische Städtchen beworben und man muss ehrlicherweise zugeben, dass da was dran ist. Allen sei deshalb dringend empfohlen, hier eine kleine Pause einzulegen, wird sie gerade Radlern doch mehr als leicht gemacht. Direkt am Radweg nämlich, auf Höhe des Schlossparks, liegt die erst im April 2017 eröffnete Biermanufaktur, deren Inhaber gleichzeitig Braumeister ist und hier selber diverse Biere herstellt. Stolz erzählt Ralf Kramer, dass er im Umkreis von 50 Kilometern die einzige Gasthausbrauerei betreibt. Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, bucht vorher schon ein Bierseminar mit Führung; zur Verkostung gibt es mit der „Ahle Wurst“ Deftiges aus der Region. 
Ein anschließender Bummel durch den Schlosspark in Richtung historischem Markplatz aus dem 12. Jahrhundert und zum Rathaus aus dem Jahr 1597 lohnt auf jeden Fall. Über 300 der malerischen Fachwerkhäuser sind nach dem 30-jährigen Krieg gebaut worden, darunter die Hof-Apotheke mit reichen Schnitzereien. Stadtführerin Christa Proske, die anhand ihrer Original-Tracht zeigt, dass man früher mit der Länge der schwarzen Bänder seinen Reichtum demonstrierte, macht auf viele kleine Details aufmerksam. So findet man beispielsweise am Westportal der Jakobikirche, die aus der Zeit der Stadtgründung stammt, das eingravierte Längenmaß „Klafter“, das heute noch in der Holzwirtschaft bekannt ist. Über die ganze Stadt verteilt sind zudem über ein Dutzend Bronzefiguren des deutschen Künstlers Ewald Rumpf zu bewundern – alle mit Bezug zur Region. 
Apropos Kunstwerke: Das Projekt „Ars Natura – Kunst am Wanderweg“ präsentiert über 120 unterschiedliche Exponate entlang einer „Galerie in der Natur“. Ein besonders schönes und sehenswertes Exemplar liegt auf der Metzebacher Höhe: „Cinema Natura“ von der Hannoveranerin Luzia Lippert. Neun Stühle mitten in der Landschaft laden ein zum Rasten und Schauen, und das lohnt wirklich, denn auf der „Leinwand“ entfaltet sich ein weiter Blick und ein bemerkenswertes Panorama. Neben kleinen Dörfern erblickt man Wälder, Wiesen, grasende Kühe und viele Ackerflächen. 
Im nicht weit entfernten Bebra-Imshausen trifft man auf den Bioland-Betrieb Tannenhof, auf dem heute schon eine ganz besondere ökologische Landwirtschaft betrieben wird: Johannes Kayßer arbeitet nämlich vorwiegend mit Zugpferden. In wenigen Jahren will er die insgesamt 55 Hektar Ackerland, auf denen unter anderem Weizen, Leinsamen, Hafer, Ackerbohne, Kartoffeln, Roggen sowie Tee- und Gewürzkräuter wie Salbei, Pfefferminze, Zitronenmelisse, Brennnessel, Drachenkopf und Schafzierklee angebaut werden, komplett ohne Trecker bewirtschaften. Vorbild sind ihm dabei die Amish-People in den USA, und so erklärt er Besuchern geduldig die Vorteile der Feldbestellung mit Pferden: weniger Bodenverdichtung und höhere Erträge. Außerdem weiß er zu berichten, dass die Zugpferdetechnik, die zuletzt in den 50er Jahren gebaut wurde, seit rund zehn Jahren wieder weiterentwickelt wird. Daher ist er zuversichtlich, dass es auch wirtschaftlich funktionieren wird. 
Und er lässt Gäste an dieser ursprünglichen Methode des Ackerbaus unmittelbar teilhaben. Echte Knochenarbeit ist bereits erforderlich, wenn er den beiden Kaltblütern Heinrich und Isis die Zuggeschirre anlegt. Dann geht es raus aufs Feld, wo die Frühkartoffeln warten. Sobald die Pferde genau in ihrer Spur „ausgerichtet“ sind, was in erster Linie über Stimmkommandos funktioniert, kann das Roden starten – und ist schneller als erwartet schon abgeschlossen. Während die Vierbeiner, die sich noch nicht mal großartig anstrengen mussten, schon wieder zurück in den Stall beziehungsweise auf die Weide dürfen, heißt es für die Gäste, sich zu bücken und die Kartoffeln aufzulesen: Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten – sprich: die angeschnittenen Exemplare – ins Kröpfchen. Immerhin ein erhebendes Gefühl, einen großen Eimer selber gesammelt zu haben. Mit Blick auf den abgeernteten Teil des Ackers picknickt es sich dann nochmal umso schöner. 
Pferdeluft kann wirklich süchtig machen, und so lohnt ein Abstecher – oder auch ein ausgedehnterer Aufenthalt – zum Hofgut Dankerode. Kinder, ob reitbegeistert oder nicht, können hier ihre Ferien verbringen, ebenso wie ihre Eltern. Sylvia Parduhn, die ihr reiterliches Können schon in der Apassionata-Show präsentierte, hat dort fast 30 Pferde stehen, davon fünf Friesen, die sich für Freizeitreiter besonders eignen. Unterrichtet wird im Voltigieren genauso wie in der klassischen Reitweise, wobei Parduhn großen Wert darauf legt, „mit dem Pferd zu sein“, also im Sinne des „Horsemanship“ fair und schonend mit den Vierbeinern umzugehen. Kinder üben also auch Zirkuslektionen mit Shetlandponys oder die Arbeit am langen Zügel. Doch hier gibt es für alle Pferdefreunde noch etwas ganz Besonderes zu bewundern und zu lernen: Das unglaublich elegant anmutende Reiten im Damensattel. Dabei liegen beide Beine auf der linken Pferdeseite, was gerade Reitern, die Hüftprobleme haben, sehr entgegenkommt. In Schnupperkursen kann man das erstmals kennenlernen, in Lehrgängen weiter vertiefen. Wer dann noch eines der schönen Barockkostüme trägt, dessen langer Rock sich über den Pferderücken ausbreitet, fühlt sich fast wie Kaisern Sissi. 
Und noch eine Möglichkeit, mit Pferden aktiv zu werden, gibt es hier: Beim Pferde-gestützten Coaching mit Ellen Conrad üben die Teilnehmer in der Interaktion mit den geduldigen Vierbeinern beispielsweise, die Führung zu übernehmen und sich durchzusetzen, etwas deutlich zu sagen, ohne auszurasten, aber auch Entscheidungen zu treffen und etwas zu Ende zu bringen oder auch mal Kontrolle abzugeben. Denn Pferde reagieren auf die jeweilige Energie und den Charakter des Menschen und spiegeln das wider, was man ihnen gerade vorlebt. Auch Kinder mit Konzentrationsschwierigkeiten lernen durch den Umgang mit den Pferden. So kann man hier nicht nur Spaß und Freude mit den Tieren haben, sondern auch einen echten Mehrwert für die eigene Persönlichkeitsentwicklung erzielen. 

Redaktion: Stephanie Kreuzer

Infokasten:
• Rotenburg a.d. Fulda, www.rotenburg.de 
• Bier-Manufaktur Rotenburg, www.bier-rotenburg.de 
• Bioland-Betrieb Tannenhof, www.tannenhof-imshausen.de
• Gut Dankerode, www.gut-dankerode.de 
• EC Coaching, www.ellen-conrad.de 
• Erlebnisregion Mittleres Fuldatal e.V., www.mittleres-fuldatal.nordhessen.de

Kartoffelernte mit Picknick auf dem  Bioland-Betrieb Tannenhof - Foto: ©Stephanie Kreuzer
Cinema Natura – die Kunst liegt am Wanderweg - Foto: ©Stephanie Kreuzer
Hof-Apotheke in Rotenburg a.d. Fulda - Foto: ©Stephanie Kreuzer
Biermanufaktur in Rotenburg a.d. Fulda - Foto: ©Stephanie Kreuzer
Reiten im Damensattel und historischen Kostümen auf Hofgut Dankerode - Foto: ©Stephanie Kreuzer