Das jüdisch-mittelalterliche Erbe von Erfurt


Mittelalterliche Mikwe Erfurt, Innenraum des Schutzbaus - Foto: Peter Seidel, 2011

Die Alte Synagoge ist mit ihren ältesten Bauteilen aus dem 11. Jahrhundert die älteste, bis zum Dach erhaltene Synagoge in Mitteleuropa. Hier ist 2009 ein außergewöhnliches Museum entstanden und ein Ort geschaffen worden, an dem originale Sachzeugnisse der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde Erfurts zu sehen sind. Im Hof sind Grabsteine des zerstörten mittelalterlichen Friedhofs zu sehen. Die Baugeschichte der Synagoge ist Thema im Erdgeschoss. Im Keller des Museums wird der sogenannte Erfurter Schatz ausgestellt, der vor einem Pogrom im Jahr 1349 vergraben wurde – ein in Umfang und Zusammensetzung einmaliger Fund. Den quantitativ größten Anteil daran haben 3141 Silbermünzen sowie 14 silberne Barren verschiedener Größen und Gewichte. Außerdem enthielt der Fund ein Ensemble an Silbergeschirr sowie mehr als 700 Einzelstücke gotischer Goldschmiedekunst in teilweise exzellenter Ausführung. Das bedeutendste Objekt ist ein jüdischer Hochzeitsring aus dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts.Im Obergeschoss sind die „Erfurter Hebräischen Handschriften“ teils im Original, meist als Faksimile ausgestellt. Sie belegen das rege Geistesleben der Erfurter Gemeinde und gehören heute der Staatsbibliothek zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Zu sehen ist unter anderem die größte bekannte mittelalterliche Bibelhandschrift.
Zum Ensemble des mittelalterlichen jüdischen Erbes gehört die 2007 wiederentdeckte Mikwe, das jüdische Ritualbad, sowie das „Steinerne Haus“. Das Mitte des 13. Jahrhunderts errichtete Profangebäude kann jüdischen Besitzern zugeordnet werden und ist europaweit einer der wenigen Bauten dieser Zeit mit original erhaltener Ausmalung eines Innenraumes.
Das jüdische Erbe von Erfurt bietet Aufschluss über das jüdische Gemeinde- und Alltagsleben sowie die Koexistenz von Juden und Christen in mittelalterlichen Städten – in einer Komplexität, die mit keiner bekannten Stätte vergleichbar ist. Aus diesem Grund hat sich die Thüringer Landeshauptstadt entschieden, für ihr jüdisches Erbe des Mittelalters den Titel „UNESCO-Welterbe“ anzustreben. 2014 wurde die Stätte auf die deutsche Vorschlagsliste für künftige Welterbestätten aufgenommen. Das heißt, dass der Antrag auf Aufnahme in die Welterbeliste der UNESCO in einigen Jahren offiziell eingereicht werden darf.

Mehr dazu unter: www.juedisches-leben.erfurt.de

Erfurter Schatz Jüdischer Hochzeitsring, 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts, (TLDA) - Foto: Papenfuss | Atelier für Gestaltung